Eine kostbare Träne

 

Frau M. liegt schon zwei Jahre im Pflegebett. Sie kann sich nicht mehr bewegen, sie kann nicht sprechen und nur ihr Atem und die sich bewegenden  Augen zeugen davon das sie noch lebt.

Frau M. hat keine Verwandten mehr und erhielt keinen Besuch.

 

Ich war für Frau M. zuständig und habe sie ein halbes Jahr begleitet., d .h. ich habe neben ihrem Bett gesessen, ich habe ihr etwas erzählt, ich habe ihr Musik vorgespielt oder war infach nur da auch wenn sie schlief.

 

Öfter als ich so neben dem Bett saß, stellte ich meine Tätigkeit in Frage - bekam sie überhaupt mit, das ich da war? War ich eine Hilfe oder eine Last? Konnte ich meine Zeit woanders besser einsetzen?

 

Als ich wieder einmal zu ihr kam, und neben ihr am Bett saß, kam eine einzige Träne aus ihrem Auge. Ich sah diese Träne und wischte sie vorsichtig ab - um ihr zu zeigen, das ich sie gesehen hatte!

 

Nie wieder brauchte ich mich zu fragen, ob mein Einsatz richtig und wichtig war, ich fühlte mich reich beschenkt!

 

Kurz danach ist Frau M. gestorben.